Gewinner Seglercup 2016

Geschichte

Von den Anfängen des Modellfluges in Wewelsburg und dem „FMC-Albatros“

Bereits vor der Entstehung des Regionalflughafens Paderborn-Lippstadt gab es Wewelsburger, die sich mit der Fliegerei beschäftigt haben und die vom Fliegen fasziniert waren. Naturgemäß handelt es sich bei der Fliegerei um eine technisch anspruchsvolle und kostspielige Angelegenheit. Hauptsächlich aus Kostengründen beschränkten sich die Aktivitäten vieler Flugbegeisterter auf den Flug-Modellbau und Modell-Sport. Anfänge des Modellflugs in Wewelsburg lassen sich bis auf das Jahr 1950 zurückverfolgen. Später fanden sich in der Burg Wewelsburg meist Jugendliche in verschiedenen Gruppen zusammen.

Es gelang erst im Jahre 1979 Modellflieger der Region im Flug-Modell-Club Albatros e.V. (FMC

Albatros e.V.) zusammenzufassen. Am 30. März 1979 wurde die Gründungsversammlung in der Gaststätte „Zum alten Hellweg“ in Oberntudorf einberufen. Es waren 21 Modellbaufreunde der Einladung gefolgt. Manfred Müller aus Wewelsburg leitete die Versammlung. Die Gründungsurkunde ist von sieben Personen unterzeichnet. Dies sind: Manfred Müller, Ludger Klegraf, Günther Klimenta aus Wewelsburg, Willi Stukenberg, Heinrich Kaiser, Martin Gehrmann aus Tudorf und Josef Voß aus Wewer.

Der erste Vorstand des Clubs setze sich wie folgt zusammen:

1.         Vorsitzender Manfred Müller (Wewelsburg)
2.         Vorsitzender Heinz Kaiser (Oberntudorf)
Schriftführer Günther Klimenta (Wewelsburg)
Kassierer
Platzwart
Willi Stukenberg
Martin Gehrmann
(Niederntudorf)(Niederntudorf)

 

logo

er eingetragene Verein hat den Charakter der Gemeinnützigkeit und setzt sich das Ziel, die Modellflieger der Region zusammenzuführen und einen guten Kontakt zur Bevölkerung zu pflegen.

Durch die Mitwirkung von Wewelsburgern wurde die positive Entwicklung des FMC Albatros e.V. maßgeblich unterstützt. Der Verein präsentierte sich speziell in unserem Ort durch kleinere Ausstellungen, Basteln für Kinder und Modellvorführungen im zulässigen Rahmen, hauptsächlich zu Pfarrgemeinde-Festen. Aufgrund seiner überaus sehenswerten Modell-Ausstellungen, seiner Flug-Shows und sonstigen Veranstaltungen und Mitwirkungen ist der Club überregional bekannt geworden. Er hat u.a. schon zwei Deutsche Meisterschaften des Deutschen Modellflieger- Verbandes e.V. (DMFV), dem er angehört, erfolgreich durchgeführt.

austell(Bild: Ausstellungsfläche des FMC Albatros
beim Pfarrgemeindefest 1981 in der
Schützenhalle in Wewelsburg)

 

 

 

 

 

In diesem Verein, mit heute etwa 100 Mitgliedern ist ein geordneter und sicherer Flugbetrieb, auch mit größeren Flug-Modellen möglich. Die Anzahl der meist jugendlichen Mitglieder wuchs kontinuierlich. Sie hatten den Ehrgeiz etwas Besonderes zu schaffen, ihr technisches Verständnis und praktisches Geschick zu beweisen und natürlich auch ihre Freude am Fliegen in die Tat umzusetzen. Fünfzehn Jahre lang befand sich das Fluggelände des Clubs am „Osterberg“ in Niederntudorf. Der ständig zunehmende Flugbetrieb des Airports Paderborn-Lippstadt und die Einrichtung einer Flug-Kontrollzone verlangte schließlich die Aufgabe des idyllischen Fluggeländes. Im Sintfeld zwischen Haaren und Fürstenberg fand der Club ein neues geeignetes Areal. Die Flug- Aktivitäten sind von der Regierung in Münster unter Einhaltung von Auflagen genehmigt.

 Fliegen, Freiheit und Faszination!

Fliegen – mit diesem Wort ist ein uralter Traum der Menschheit verbunden. Der Wunsch sich frei wie ein Vogel emporschwingen zu können, der Sonne näher zu sein, sich irdischer Sorgen zu entledigen, weit und ungehindert Ausschau zu halten und dabei Neues zu erleben ist ein erhabenes Gefühl. Gelehrte des Altertums, Forscher und Wissenschaftler unserer Tage, mutige Männer und Frauen – auch Laien – haben überlegt, geforscht gearbeitet um dieses Ziel zu erreichen und zu verbessern.

In unserer Zeit ist Fliegen alltäglich geworden und hat einen hohen Standard an Sicherheit und Bequemlichkeit erreicht. Trotzdem hat es für viele von uns nichts an seinem einzigartigen Reiz verloren. Für den einen ist es zum Beruf geworden, der andere betreibt es in seiner Freizeit als Sport und Hobby. Damals wie heute sind Modellflieger Tüftler, Erfinder und Konstrukteure von Flugmaschinen, die ihre diversen Fähigkeiten in einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung verwirklichen. Neben Gemeinschaftsgeist, Rücksichtnahme, Konzentration und Kreativität ist auch die sportliche Betätigung hervorzuheben.

Es ist immer wieder ein Ereignis voller Spannung, wenn ein neues Flug-Modell zum ersten mal dem Element Luft anvertraut wird. Für den Erbauer bedeutet das sehr viel. Er hat nämlich Zeit, Geduld und Mühe, Geschick, technische Kenntnisse und auch Geld in sein Modell investiert. Sollte der Start und der Flug gelingen, so empfindet er ein Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit. Nicht selten identifiziert er sich mit seinem Fluggerät, und man hört sogar den Ausspruch: „Ich fliege!“ Nun, er wird zunächst mit dem Erreichten zufrieden sein müssen, und er bleibt – leider – mit den Beinen auf der Erde.

Das waren Zeiten! Wie sich die Modellfliegerei in Wewelsburg entwickelte.

Nachfolgend sind einige Geschichten und Anekdoten von Wewelsburger Bürgern zu lesen, die vor und nach der Gründung des FMC Albatros e.V. 1979 Sintfeld über den Modellflug in unserer Region berichten:

Zu Weihnachten 1950 lag bei Günther Klimenta ein Pappkarton auf dem Gabentisch. Der Inhalt: Sperrholz, Holzleisten, Papier, Klebstoff und ein Bauplan! Das Freiflug-Segelmodell „Baby“ (1200 mm Spannweite). Der Beschenkte, damals dreizehn Jahre alt, bastelte zwar gern, auch mal eine Papierschwalbe, doch der Modellflug war ihm noch fremd. Nun stellte sich Begeisterung ein. Bereits am zweiten Feiertag werkelten und klebten alle männlichen Familienmitglieder samt Besuch in der kleinen Küche. Man sah – nicht alle waren Anfänger! So entstand in Windeseile ein gut fliegendes Freiflug-Segel-Modell, das von den umliegenden Hängen, oft auf der „Fallbreite“, per Handwurf gestartet wurde. Bereits 1951 gab es mehrere Flugbegeisterte, die dem Beispiel folgten. Sie bildeten die erste kleine Gruppe. Es entstanden verschiedene Modelle, die teils gemeinsam gebaut wurden. Wenn im Herbst die Felder abgeerntet waren, bot sich die Gelegenheit, per Hochstartseil spielend eine Höhe von 50 – 60 Metern zu erreichen. Startplatz war überwiegend der „Klech“ (Flurname). Durch Getreidestoppeln und Stacheldrahtzäune wurden die kleinen Flieger schnell unansehnlich und reparaturbedürftig. Deshalb war es zweckmäßig, in den Wintermonaten die Bespannung zu erneuern. So geschehen auch beim ersten Modell, dem „Baby“, das zu der Zeit schon mehrfach kopiert worden war.

 Günther Klimenta erzählt einige Anekdoten aus dieser Zeit:„Der Frühling zog ins Land und mit ihm ein wunderschöner Maitag. Der Startplatz lag zwischen der Böddeker Straße und der früheren Gärtnerei auf dem vorhandenen Wirtschaftsweg. Für den Probeflug hatte ich nur 10 Meter Hochstartschnur genehmigt, was natürlich belächelt wurde. Der Läufer zog die Leine an, das „Baby“ stieg empor und kreiste 10 m über den Köpfen der Zuschauer. Es kreiste und kreiste, verlor keine Höhe – nein es stieg sogar noch ein wenig. Selten hatten wir einen so schönen ruhigen Flug gesehen. Der Flieger flog hervorragend, zog seine Kreise nun ein wenig in Richtung Böddeken und stieg zunehmend höher. Ob man wohl nachlaufen sollte? Nun ja, es kann nicht schaden! Tatsächlich, mit jedem Kreis nahm die Höhe nun rasch zu und auch die Entfernung wurde größer und größer! Es genügte nicht mehr langsam zu laufen. Querfeldein, vorbei am früheren Wasserbehälter (Trotzeburg), über die Straße und in die Weiden. Besorgt richtete sich der Blick in den blauen, mit Kumuluswolken behangenen Himmel. Langsam kam die Erkenntnis, dass ab jetzt alle Bemühungen umsonst sein würden. Das „Baby“ kreiste, nun nur noch als kleiner Punkt sichtbar, in einer der schönen weißen Wolken, kam kurz wieder hervor und verschwand für immer. Auf dem Rückweg fragten mich nette, ältere Herren die vor der „Trotzeburg“ auf der Bank saßen, ob ich auch den großen, kreisenden weißen Vogel gesehen hätte. Verdutzt antwortete ich darauf, dass es sich um ein Flugmodell gehandelt hat. Es wurde nie wieder aufgefunden und in der Folgezeit neu hergestellt.“

„Neben einigen kleinen Modellen war das Segelfreiflugmodell „ETB 35“ (Spannweite: 1805 mm) fertig geworden, das durch seine filigrane, anspruchsvolle Bauweise viel Spaß gemacht hat. Später gab es von diesem Modell sechs Stück in Wewelsburg.“

 

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(Bild: 1952 Günther Klimenta mit dem Rohbau der „ETB 35“
auf dem früheren Hof von Marx vor dem Altersheim. )

 

 

 

 

 

(Bild: Modellflieger 1953: Gerhard Rüther, Werner Wellen, Herbert Habig und Günther Klimenta auf der „Fallbreite“ (im Hintergrund die Wewelsburg)).

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„Im Keller des ehemaligen Wachgebäudes der Wewelsburg hatten sich die Mitglieder des „Bundes der Deutschen Katholischen Jugend“ einen Gruppenraum ausgebaut, der aufgrund seiner Größe auch zum Basteln gut geeignet war. Weil das Interesse am Modellflug in Wewelsburg groß zu sein schien wurde die Idee geboren, eine Bastelgruppe ins Leben zu rufen. Ich bot mich, an das Vorhaben zu unterstützen und forderte die Interessenten auf, sich zu einem festgelegten Zeitpunkt in der „Gaststätte Lüttig“ einzufinden. Wider Erwarten waren plötzlich über 40 Personen anwesend. Ein so großes Interesse war weder erwartet worden, noch bestand die Möglichkeit Gruppenstunden in diesem Umfang zu organisieren. Ein Anfang wurde trotzdem gemacht. Zu den wöchentlichen Bastelstunden fanden sich bis zu zehn Jugendliche ein, die zu beschäftigen waren. Die Theorie zu vermitteln war leicht. Leider fehlte jedoch zur praktischen Arbeit das geeignete Werkzeug. Die Wartenden vertrieben sich die Zeit mit T ischtennisspielen. Schließlich musste man einsehen, dass Werken zu Hause unter diesen Umständen vorteilhafter war.“

Der Modellbau und der Modellflug hat Bernhard Köhler aus Wewelsburg das ganze Leben hindurch begleitet. Er erzählt: „Als ich noch ein Kind war, beschäftigte sich mein Bruder Heinz bereits mit Flugmodellen. Weil ich mich aber schon immer für alles interessierte was fliegt, blieb mir kaum etwas verborgen, was sich in dieser Beziehung in unserer Nähe abspielte. In den Jahren 1959 und 1960 hatte Hans-Jürgen Witte ein hochstartfähiges Freiflug-Segel-Modell, eine Eigenkonstruktion seiner Onkel Karl und Willi aus deren Jugendzeit, um ca. 1940. Über zwei Jahrzehnte schlummerte es auf Opa`s Dachboden. Der Anblick des Fliegers mit ca. 1,5 m Spannweite erweckte sofort Jürgen`s Interesse. Die Papierbespannung, die man 1960 bei Brandt´s in Büren kaufen konnte, hatte Onkel Karl schnell erneuert. Dreimal mussten die Tragflächen mit Spannlack gestrichen werden – drei lange Tage warten bis zum Erstflug.  Die folgenden Hochstarts auf dem Fußballplatz in Büren gelangen gut. Etwas enttäuschend waren die kurzen Flugzeiten. Nach einer Runde über dem Platz landete der Flieger bereits. In Wewelsburg wurde in „Marx Wiese“ oder am „Stoppelberg“ Richtung „Hennekenbicke“ gestartet. Meistens landete das Modell in unserer („Lummers“) Wiese.  Jürgen´s  zweites Freiflug-Modell hatte einen Propeller mit Gummimotorantrieb. Immer wenn er sein Fluggerät startete, war ich nicht weit entfernt. So hat sich meine Begeisterung für die Fliegerei entfaltet, und ich habe sie bis heute bewahrt.“„In jener Zeit war das Geld sehr knapp. Wir mussten uns selbst helfen und wie man weiß: Not macht erfinderisch! Zunächst wurden einfache Modelle kopiert und nachgebaut, bis um 1963 Kunibert Ebbers mit einem anspruchsvollen Modell aufwarten konnte. Dieses hieß „Kadett“ und war ein Motormodell für den Freiflug. Auch ich wurde 1964 stolzer Besitzer dieses Modell-Typs. Als Antrieb diente ein 2,5ccm „Taifun“ Diesel-Modell-Motor. Der Treibstoff wurde selbst gemixt und bestand zu je einem Drittel aus Methanol, Rizinusöl und Äther. Wenn man glaubwürdig erklären konnte, wofür man diese Zutaten benötigte, bekam man damals alles noch in der Apotheke zu kaufen. Ja, das war manchmal ein Drama bevor der Motor ansprang! Mit dem heutigen Stand der Technik ist es nicht im Entferntesten vergleichbar. Es gab Tage, an denen das Modell gar nicht starten konnte, weil der Motor nicht ansprang. Mancher Zeigefinger war dann blau oder lädiert vom Drehen der Luftschraube. Oft fehlte nur eine Kleinigkeit. Der Motor blubberte, dann ging wieder gar nichts. Oder der Motor zündete schon vor dem oberen Totpunkt, und die Luftschraube schlug zurück. Dadurch verpasste der Propeller dem ahnungslosen und bereits schwitzenden Modellbauer einen Schlag auf die sowieso schon strapazierten Finger! Aufgeben – aber wieso denn? Nach einem kleinen „Freudentanz“ mit dem Finger im Mund begann der Startversuch erneut“.

 „Kunibert Ebbers hatte seinerzeit auch das Modell einer „Cessna 180“ gebaut, die recht gut und stabil flog. Gestartet wurde sie der Einfachheit halber schon einmal auf der „Langen Straße“ mitten im Dorf. Leider erlitt dieser Flieger schnell das Schicksal, das mehr oder weniger schnell fast alle Flugmodelle ereilt. Ich sehe Kunibert noch heute die Dorfstraße herunterkommen, in beiden Händen die einzelnen Flugzeugteile haltend. Aus dem geöffneten Fenster heraus nahm ihn dann seine Mutter wieder einmal schimpfend in Empfang:“ „Das schöne Modell …!“

„In den meisten Fällen starteten wir unsere Flugmodelle in der Wewelsburger Flur, z.B. hinter den Höfen Kroll, Stelte, Marx und Nacke. Oft waren wir auch in der „Straute“ (Flurname) anzutreffen, dort wo heute die Autobahn A 44 ist. Da wir zunächst keine Fernsteuerungen hatten, kam es nicht selten vor, dass sich ein Modell selbständig machte und weit entfernt landete. Dann hieß es mit dampfenden Socken über gepflügte Äcker, durch Zäune usw. querfeldein zu laufen. Zusätzliches „Trimm Dich“ war nicht nötig. Meistens hatten wir Glück und bekamen die Modelle leicht beschädigt zurück. V iele Kinder beobachteten interessiert die Fliegerei und waren stolz, die Modelle, welche anfangs hauptsächlich frei fliegende Gleiter waren, wiederholen und tragen zu dürfen. Das Interesse war so groß, dass Pfarrer Staufenbiel sich aufgerufen sah, darum zu bitten, mit der Fliegerei sonntags erst nach der Andacht um 15 Uhr zu beginnen“.

Inzwischen hielt die erste Funkfernsteuerung ihren Einzug. Zunächst war Kunibert Ebbers stolzer Besitzer einer solchen Anlage. Neue Modelle wurden nun gebaut und die Technik des ferngelenkten Steuerns eines Modellflugzeuges fleißig geübt.

Die Gruppe um Bernhard Köhler und Kunibert Ebbers bestand bald aus 8 – 9 Jugendlichen, die flugfähige Modelle besaßen, als im Jahre 1967 der damalige Jugendherbergsvater mit der Idee an Kunibert Ebbers herantrat, eine Pfadfindergruppe zu gründen. Nun gut, eine Pfadfindergruppe kann ja auch aus Modellfliegern bestehen! Mit diesem Angebot hatte diese (zweite) Gruppe ein festes Domizil in der Wewelsburg. Doch damit nicht genug, denn den jungen Leuten stand nunmehr auch geeignetes Werkzeug, Material und was das Modellfliegerherz sonst noch so begehrte zur Verfügung. Es wurden viele schöne Modelle gebaut, allerdings immer noch Freiflugmodelle, die leider durch jugendlichen Leichtsinn und zum Teil durch Unkenntnis viel zu schnell zu Bruch gingen.

Bernhard Köhler erzählt weiter:
„Einmal mussten wir von der „Staute“ bis zum „Niederhagen“, d.h. durch das Dorf laufen. Solange der Sichtkontakt blieb, konnten wir zufrieden sein.Ein anderes Mal waren einige Tropfen Treibstoff zu viel in den Tank geraten. Mit zusätzlicher Thermikunterstützung stieg das Modell, stetig kreisend in erstaunliche Höhen und verabschiedete sich in Richtung Haaren. Der dazwischen liegende Wald machte jeglichen Sichtkontakt unmöglich. Wir mussten mit dem Verlust des Fliegers rechnen. Allein der Motor hatte für uns einen hohen Wert. Deshalb liefen wir in Flug- und Windrichtung weiter, vorbei an „Gut Böddeken“, über die„Haarener Landstraße“ in Richtung „Neu Böddeken“. Als alle Hoffnungen gleich Null waren, entdeckte ich hoch oben in einer entfernten Buche einen roten Punkt. „Das könnte der Flieger sein!“ Der Marsch wurde fortgesetzt und richtig, da hing der Gesuchte tatsächlich in schwindelerregender Höhe! Soweit ganz gut und schön: Wie sollen wir da hinauf kommen? Sinnlos!
Also entschlossen wir uns zum Rückmarsch.
Hin und wieder stieg ich in den nächsten Tagen auf mein Fahrrad und schaute nach dem Modell. Erst als ein richtiges Unwetter mit Sturm und Regen kam, fand ich am folgenden Tag das durchweichte Modell am Boden. Ähnlich wie bei Wilhelm Busch der Schneider Mäck, wurde es zu Hause am Ofen getrocknet, neu aufgebügelt und war bald wieder einsatzfähig.“

 „Noch nie zuvor hatten wir im Winter bei Schnee erlebt, dass ein ferngesteuertes Segelflugmodell über längere Zeit in der Luft blieb. Der Startplatz lag hinter dem neuen, ausgesiedelten Gehöft Marx, wo das Tal der „Hennekenbicke“, vom Almetal leicht ansteigend, endet. Es war kaum Wind zu spüren. Deshalb entschlossen wir uns, mit Hochstartseil und Umlenkrolle zu starten. Schon stieg der Segler auf eine Höhe von 50 – 70 Meter und klinkte aus, nachdem der Läufer stehen blieb und die Spannung des Seils nachließ. Leicht kreisend, unterstützt vom geringen Luftzug, der durch das Tal aufstieg, gewann der Segler etwas an Höhe und glitt schon bald 45 Minuten ohne Höhenverlust ruhig dahin. Jetzt wurde uns klar, dass man ans Akku-Laden denken sollte, denn die Kapazität des Empfänger-Akkus musste in kürzester Zeit erschöpft sein. Und dann geschah es! Durch Andrücken des Höhenruders nahm das Modell zu viel Fahrt auf und näherte sich in rasender Fahrt dem Boden. Beim Versuch gegenzusteuern, um die Maschine abzufangen, gab es ein Krachen und Knacken. Ein Tragflügel war gebrochen! Durch die hohe Geschwindigkeit und das abrupte Hochziehen (mit klammen Fingern) war die Flächenbelastung über das vertretbare Maß angestiegen. Mit einem dumpfen Laut schlug der Rumpf in den schmutziggrauen Schnee. Einige Meter weiter flatterte der abgerissene Teil des Flügels zu Boden“. Ein perfekter Absturz beendete diesen sonnigen Winter- Flugtag!“

In den 1970er Jahren musste man auch samstags noch zur Schule gehen. Allerdings gab es in den letzten beiden Schulstunden dann immer eine Arbeitsgemeinschaft. So auch in der Hauptschule in Niederntudorf. Zwei handwerklich begabte Lehrer boten damals unter anderem je eine Modellbau- AG an. Lehrer Füchtenschnieder baute Schiffe und Lehrer Claus baute Flugzeuge. Neben dem theoretischen Unterricht, warum Flugzeuge fliegen und wie die Ruder funktionieren, wurden natürlich auch Modelle gebaut. Da gab es z. B. „Fünf aus einem Brett“ und das Freiflug Segelmodell „JUBI 2“. Gegen Ende des Schuljahres 72/73 wurden alle gebauten Modelle dann im Rahmen eines Wettbewerbes auf dem Sportplatz in Niederntudorf eingeflogen. Noch heute sind von dieser Modellbau AG aktive Modellflieger als Mitglieder im FMC Albatros anzutreffen. Aus Wewelsburg wurden Franz- Josef Köhler, Ludger Klegraf, Hubert Ehm und Edgar Rubart über diese Modellbau AG mit dem Modellflugvirus infiziert. Schnell war allen der Freiflug nicht genug und man wollte sein Modell selbst steuern. An Fernsteuerungen war aber gar nicht zu denken. Da traf es sich gut, dass der Schwedische Meister im Modell- Fesselflug regelmäßig in der Jugendherberge der Burg zu Gast war. Schnell wurde klar, dass dies die bezahlbare Alternative zur Fernsteuerung war. Auf allen möglichen freien Flächen wie dem Schützenplatz, dem Schulhof oder einer Wiese hinterm Haus sah man bald motorbetrieben Modelle durch zwei Metallschnüre gesteuert, sich immer im Kreis bewegen und die tollsten Loopings auf engstem Raum fliegen. In einem Wettkampf wurde auch schon mal probiert mit zwei Modellen gleichzeitig zu starten und im selben Kreis zu fliegen. Das ging dann so bis 1974. Die Schulzeit war bald vorbei, und die Lehrzeit begann! Das Gute daran war: Man verdiente sein erstes eigenes Geld. Somit rückte der Traum einer eigenen Fernsteuerung in greifbare Nähe.

Ludger Klegraf berichtet:

„Sobald die erste Ausbildungsvergütung auf dem Konto der Sparkasse war, wurden Kataloge gewälzt um zu erfahren, wie teuer eine Fernsteuerung ist und wie lange man sparen muss um sich seinen Traum erfüllen zu können. Es gab damals nur drei Hersteller: Graupner (Grundig), Robbe oder SIMPROP (Claas Harsewinkel). Alle Preise lagen bei ca. 1200,- DM. Das waren mehr als fünf Monatsgehälter eines Lehrlings und mehr als ein Mofa kostete. Trotzdem wurde erst für die Fernsteuerung gespart. Die Zustimmung meines Vaters war da auch eher zu erwarten als für das Mofa. Kurz vor Weihnachten war es dann so weit. Die neue Fernsteuerung „SIMPROP Super 4“ wurde bei Möller in Salzkotten bestellt und abgeholt. Bei Möller in Salzkotten konnte man damals nicht nur normale Konfektion und Schützenfestkleider kaufen, sondern auch Modellflug- und Modelleisenbahnartikel. Das Mofa wurde dann aber doch noch einige Monate später gekauft. Schnell war ein Fahrradanhänger mit Halterungen umgebaut damit man ein Modellflugzeug mit allem Zubehör sicher transportieren konnte. So ausgerüstet fuhren wir zum Fliegen ins Feld. Da die Modelle nun schon größer wurden, hielten wir mehr Abstand zum Dorf. Geflogen wurde nun häufig auf Wegen und Wiesen hinter der Autobahn (Straute).“

„Nach einiger Zeit wurden Peter Braekler und Manfred Müller auf uns jugendliche Modellflieger aufmerksam. Beide arbeiteten damals in der „Drahtfabrik“(Gebr. Herberg) und experimentierten ebenfalls seit geraumer Zeit mit verschiedenen Flugmodellen. Sie hatten sich eine Fernsteuerung von Neckermann gekauft. Mittlerweile kam eine breitere Palette verschiedener Modellen zum Einsatz. Peter Braekler mit seinem Nachbau des ersten UL Flugzeuges, einer „VOWI 10“ mit einem 0,8ccm COX Motor und seinen Segelflugzeugen von Carrera, Franz-Josef Köhler mit dem „Amateur“ von Graupner mit 1,5ccm Motor, Ludger Klegraf mit dem „TULURA 5“ mit 4,08ccm Motor und schließlich Manfred Müller mit dem Motormodell „Snoopy 2“ mit einem 10ccm Motor und sage und schreibe 2 Metern Spannweite.

Nachfolgend einige Namen der noch bekannten Wewelsburger Modellflieger von den Anfängen, bis heute:
Werner Bauerfeind, Rudolf Born, Peter Braekler, Kunibert Ebbers, Hubert Ehm, Herbert Habig, Günter Herrmann, Ludger Klegraf, Günther Klimenta, Bernhard Köhler, Franz Josef Köhler, Heinz Köhler, Willi Leniger, Manfred Müller, Norbert Pospieschalla, Wigbert Rose, Edgar Rubarth, Gerhard Rüther, Willi Szelejewski, Werner Wellen, Hans-Jürgen Witte.

Von einer Interessengemeinschaft zum Verein

 Sowohl in Wewelsburg als auch in Tudorf erfreute sich der Flug-Modell-Bau zunehmender Beliebtheit. In mehreren Gruppen und verschiedenen Orten der Feldfluren von Wewelsburg und Tudorf wurde unkoordiniert geflogen. Bei allen Modellfliegern der Region gab es immer wieder Beschädigungen oder Abstürze von Modellen, weil man in Wiesen mit  hohem Gras fliegen musste. Ständige Gefahren beim Landen waren auch Weidezäune und Ackerfurchen. Dies konnte nicht im Sinne der Modellflieger sein.

So wurde 1977 der Gedanke geboren, alle Akteure der Umgebung in einer Interessengruppe zusammenzufassen. Die Vereinigung in einem Club bietet den Vorteil ein geeignetes Gelände anzumieten und dieses für den Modellflug herzurichten. Außerdem konnte man einen geregelten Flugbetrieb mit Frequenzüberwachung einführen, einen Sicherheitszaun für Zuschauer und Fahrzeuge errichten, gesetzliche Vorschriften konnten leichter erfüllt werden. Mit dem Ruf nach einer Modellflug-Interessengemeinschaft versammelten sich fast alle Interessenten am 10.02.1977 in der Gaststätte „Waldschlösschen“ in Niederntudorf. Initiatoren der ersten Zusammenkunft waren Peter Braekler, Hubert Ehm, Martin Gehrmann, Heinz Kaiser, Ludger Klegraf, Bernhard Köhler, Franz Josef Köhler, Manfred Müller und Wigbert Rose. Bei diesem Treffen konnte man über die Form der zu schaffenden Vereinigung noch keine endgültigen Beschlüsse fassen. Zwar hatte man sich auf den Namen „Albatros“ geeinigt, auch das jetzige Vereinsemblem lag bereits in den Grundzügen vor, doch es folgte eine „schöpferische Pause“ von ca. einem Jahr.

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(Bild: 1981: Einige der ersten Mitglieder auf dem Flugplatz am Osterberg in Niederntudorf)

Die junge Interessengemeinschaft, der etwa zwanzig Mitglieder angehörten, konzentrierte ihren Modellflugbetrieb am „Osterberg“ in Niederntudorf. Am 01. August 1977 konnte dort ein ca. 3000 qm großes Wiesengelände gepachtet werden. Dies wurde Dreh- und Angelpunkt der heimischen Modellfliegerei. Nach umfangreichen Arbeiten konnte der Flugbetrieb im Sommer 1979 beginnen.

 Anfang des Jahres 1979 erhielt der „FMC Albatros“ vom Regierungspräsidenten in Münster die Aufstiegserlaubnis für Motorflugmodelle bis fünf Kilogramm Abfluggewicht. Zahlreiche Auflagen mussten beachtet werden.

Nach der Vereinsgründung am 30. März 1979 nahm der junge FMC „Albatros“ e.V. eine recht positive Entwicklung. Sein vom Gemeinschaftssinn geprägtes Wirken war in der Gemeinde Tudorf voll akzeptiert und anerkannt worden. Die o.g. Wewelsburger Modellflieger verlegten ihre fliegerischen Aktivitäten auf den „Osterberg“ und stellten das „wilde Fliegen“ im Wewelsburger Feld ein. Die erwünschte Sicherung des Modellfliegens wurde erreicht.

(Bild: 1982  Interner Schüler- Wettbewerb mit Freiflugmodellen am Osterberg)

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Die Kameradschaft und Verbundenheit der Mitglieder und Gleichgesinnten entwickelte sich hervorragend. Dennoch gab es noch einige Hürden zu nehmen. Für Mitglieder des FMC eröffnete sich die Gelegenheit, gemeinsam ihr Hobby zu betreiben und vereinsmäßig aktiv zu werden.

Auf dem Gelände der Firma „Gebr. Herberg“ in Wewelsburg wurde ein zu groß geratener Anhänger für Autotransporte mit einem Aufbau versehen und als Hütte aufgerüstet, die noch heute ihren Dienst tut. Darüber hinaus fanden einige Jahre lang regelmäßige Treffen auf dem Gelände der Firma Herberg in einer leer stehenden Baracke statt. Auch die ersten Nikolausfeiern für die Familienmitglieder des Vereins wurden hier veranstaltet. In seiner nun 33jährigen Vereinsgeschichte hat sich der FMC „Albatros“ an vielen Veranstaltungen der umliegenden Gemeinden beteiligt, sowie eigene Unternehmungen durchgeführt.

Nachfolgend einige Auszüge aus dem Vereinsleben:

  •  Zahlreiche Modell-Ausstellungen in Oberntudorf im Saal der Gaststätte „Meier“, in der Tudorfer „Kleeberghalle“ und in der Haarener „Dorfgemeinschaftshalle“
  •  Modell-Flugtage, Air-Shows, Wettbewerbe auf dem Fluggelände „Osterberg“, später im Sintfeld zwischen Haaren und Fürstenberg mit sehenswerten Darbietungen bekannter Gast- Piloten aus ganz Deutschland.
  • Durchführung und Gestaltung von zwei Deutschen Meisterschaften im Modell- Fallschirmspringen des DMFV.
  • Zahlreiche Vereinsfahrten zu Flugtagen befreundeter Vereine, zum Segelfliegen in die Rhön, zum Oldtimer-Treffen nach Frankreich oder zum Hangfliegen in die Alpen nach Österreich.
  •  Beteiligung und Mitgestaltung an Dorffesten in Niederntudorf, Wewer, Wewelsburg und am Kolpingfest in Oberntudorf.
  •  Umfangreiche Jugendarbeit mit erfolgreicher Teilnahme an westfälischen und deutschen Jugendmeisterschaften des DMFV.
  •  Schließlich die jährlichen vereinsinternen Termine wie: Anfliegen (Beginn der Flugsaison am Ostermontag), Familientag, Motor-Cup, Flugtag, Segler-Cup und Nikolausfeier.

 

(Bild: 2006: Teilnehmer am vereinsinternen Segler-Wettbewerb auf dem Flugplatz im Sintfeld)

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Der FMC Albatros e.V. 1979 Sintfeld ist mit den Jahren stetig gewachsen. Den Verein gegründet haben 15 Mitglieder aus den Ortschaften Wewelsburg, Niederntudorf und Oberntudorf. Bis 1994 stieg die Mitgliederzahl auf ca. 50 Personen. Nachdem der Regionalflughafen Paderborn-Lippstadt seine Kontrollzone erweitert hatte, um internationale Flüge anbieten zu können, wurde dem FMC Albatros die Aufstiegsgenehmigung des Regierungspräsidenten in Münster für den Osterberg entzogen. Daraufhin war der Verein gezwungen, sich ein anderes Fluggelände zu suchen. Der neue Platz befindet sich seitdem im Sintfeld zwischen Haaren und Fürstenberg. Sehr bald wurden nun auch weitere Modellfluginteressenten aus dieser Region auf den Verein aufmerksam und traten dem FMC bei. Heute sind fast 100 Mitglieder im Verein zusammengeschlossen und kommen aus den Gemeinden der Stadt Bad Wünnenberg, Stadt Büren, Stadt Salzkotten, aber auch aus Oerlinghausen, Paderborn oder Brilon. Das Einzugsgebiet des Vereins hat sich aufgrund seines hervorragenden Rufs erheblich erweitert. Auch die Bandbreite der Modelle im Verein hat sich sehr erweitert und zwar vom leichten Gleiter bis zum motorisierten Großmodell. In den Bastelstunden, die der Verein in Zusammenarbeit mit Schulen durchführt, beginnen wir immer noch mit dem Bau von frei fliegenden Wurfgleitern, um die Grundlagen des Modellflugs zu schulen. Danach schwenken sehr viele Jugendliche sofort auf sogenannte ARF- Modelle (Fertigmodelle), die in der Regel aus Schaumstoff hergestellt sind und von einem Elektromotor angetrieben werden. Da Fernsteuerungen schon lange nicht mehr für das Lehrlingsgehalt von fünf Monaten zu bekommen sind, sondern erheblich preiswerter wurden, bekommen viele Jugendliche solch eine Steuerung meistens zu Weihnachten oder zum Geburtstag schon mal geschenkt. Nachfolgend eine Darstellung, wie sich die Technologie des Modellflugs seit den Anfängen in Wewelsburg bis heute entwickelt hat:

 

Fernsteuerungen:

In den Zeiten der Vereinsgründung kamen die ersten Proportional-Fernsteuerungen auf den Markt. Diese Anlagen funkten im AM Bereich (Amplituden- Modulation) auf 27MHz. Da dieses Frequenzband für alle privaten Funkanlagen offen war (z.B. CB- Funk), kam es sehr häufig zu Störungen und Abstürzen der Modelle infolge von Kanaldoppelbelegungen. Ein Fortschritt war dann in den 1980er Jahren die Einführung der sogenannten Computeranlagen. Diese Fernsteuerungen funken im FM Bereich (Frequenz- Modulation) auf dem 35MHz Band. Die Post hatte insgesamt 30 Kanäle nur für Modellflieger freigegeben. Zusätzlich konnte man mit den Computeranlagen verschiedene Funktionen und Kanäle miteinander mixen und verknüpfen. Dadurch war es möglich, komplexere Modelle zu bauen, die über Landeklappen, Einziehfahrwerke, Wölbklappen und weitere Sonderfunktionen verfügten. Seit kurzem setzt sich erneut eine neue Technologie durch. Hierbei handelt es sich um Anlagen, die im 2,4GHz Bereich senden und empfangen. Dadurch, dass keine festen Kanäle mehr zugeordnet sind, werden Funkstörungen praktisch ausgeschlossen. Zusätzlich ist es möglich, nun auch Telemetriedaten (z.B. Höhenmesser, Akkuspannung, GPS usw.) vom Modell zum Sender zu übertragen. Somit hat der Pilot jederzeit aktuelle Informationen über den Zustand seines Modells verfügbar.

Modelle:

Gab es zu den Anfängen des Vereins fast nur die Möglichkeit ein Modell zu bauen, bei dem man die einzelnen Teile nach einem Bauplan selbst ausgesägt und zusammengeklebt hat, so gibt es auch hier erhebliche Veränderungen. Nach wie vor ist es so, dass jeder sein Modell selbst bauen kann. Die meisten nutzen hierfür Bausätze. Die können aus CNC- gefrästen oder mit Laser geschnittenen Holzteilen bestehen. Ebenso gibt es Modelle mit GFK-Rümpfen und beplankten Styroporflächen. Manche kaufen sich einen Bausatz aus Voll-GFK. Wer aber keinen Platz zum Bauen, Schleifen und Lackieren hat, der kann sich auch ein ARF-Modell kaufen und braucht hier nur noch den Antrieb und die Fernsteuerung montieren. Diese Produkte kommen sehr häufig aus Asien und bestehen zum Teil aus lackierten Schaumteilen. Es gibt allerdings auch ARF-Modelle aus Holz, die ebenfalls schon fertig bespannt und lackiert sind. Zum Schluss müssen bei den Modellen noch die Hubschrauber genannt werden. Wegen der fortgeschrittenen Fernsteuerungs- und Antriebstechnik sind die Hubschrauber immer einfacher zu fliegen. Sie erfreuen sich auch in unserem Verein zunehmender Beliebtheit.

Es geht aber auch anderes!

Einige FMC Mitglieder haben ihren Traum vom Fliegen nicht nur beim Modellbau verwirklicht, sondern sie haben den Weg zum manntragenden Fliegen gefunden. Dies gilt, vom Flugschein für Segelflugzeuge angefangen, bis hin zum selbst gebauten, zweisitzigen UL-Doppeldecker (Ultraleicht). Die Rede ist vom „Kiebitz“. Alle Einzelteile dieses Flugzeugs wurden nur nach Bauplänen gefertigt und zusammengebaut. Mehrere Vereinsmitglieder haben an dem Projekt drei Jahre lang gearbeitet. Unter Anderen war auch Franz-Josef Köhler aus Wewelsburg beteiligt. Heute sieht man ihn bei ruhigem Wetter häufig über Wewelsburg fliegen.

(Bild: 2009 Franz-Josef Köhler neben dem  selbstgebauten UL- Flugzeug „Kiebitz“)

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Antriebe:

Wie schon weiter oben beschrieben wurde, kamen früher sehr häufig Modell-Dieselmotoren zum Einsatz, die sich nicht in der Drehzahl regulieren ließen. Lange Jahre wurden die Modelle im Verein mit 2-Takt Glühzündermotoren bis ca. 10ccm betrieben. Diese Aggregate ließen sich drosseln und verfügten aufgrund ihrer hohen Drehzahl über ausreichend Leistung für den ferngesteuerten Modellflug. Leider waren sie auch relativ laut. Größere Modelle wurden im Verein mit Benzinmotoren ab 30ccm betrieben, die originalgetreue Seglerschlepps, wie bei Gross- Flugzeugen, ermöglichten. Seit einigen Jahren macht der Elektroantrieb sehr große Fortschritte und ersetzt immer mehr die Verbrennungsmotoren. Für die stark verbesserten Brushless-Motore mit einem Wirkungsgrad von ca. 90%, gibt es nun auch leistungsstarke und leichte Akkus. In der Regel sind dies LIPO-Akkus, wie sie auch in Laptop-PCs und Mobilfunkgeräten verwendet werden. Besonders die ARF-Modelle werden heute fast nur noch mit Elektroantrieben ausgestattet. Diese Modelle sind schnell einsatzbereit, und vor allem sind sie absolut leise. Neben diesen meistbenutzten Antrieben gibt es im Verein auch einige Mitglieder, die über Düsentriebwerke verfügen. Mit diesen Aggregaten lassen sich originalgetreue Jetmodelle starten, die mit ihrem Schub problemlos Geschwindigkeiten bis zu 300 Km/h erreichen können. Allerdings ist diese Version nur etwas für jemanden, der sich dies auch leisten kann und will.

Wie man aus den vorherigen Beschreibungen sehen kann, ist das Hobby des Modellflugs in einem ständigen Wandel. Jeder kann hier, je nach seinen Vorlieben und Möglichkeiten, seine Erfüllung finden. Jedes der heute ca. 100 Mitglieder des Vereins hat mehrere Modelle zu Hause. Dies reicht vom selbst gebauten Wurfgleiter, über elektroangetriebene „Schaumwaffeln“ mit einem Abfluggewicht ab 100 Gramm für den Hallenflug, bis hin zu Voll-GFK-Seglern mit einer Spannweite von 7 Metern und einem voll funktionsfähigen Klapptriebwerk. Nicht zu vergessen sind Kunstflugmodelle mit Benzinmotoren über 100ccm oder einem originalgetreuen Nachbau eines Doppeldeckers mit einem 7 Zylinder Sternmotor und einem Abfluggewicht von 27kg. Dieses Modell muss vom Bundesluftfahrtamt abgenommen werden und gilt auf Grund seines Abfluggewichtes nicht mehr als Modellflugzeug. Weiterhin sind im Verein mehrere Düsenjets vertreten. Ein Mitglied hat sich der Geschwindigkeit verschrieben. Er nimmt mit seinen Modellen an Meisterschaften teil, bei denen die Flugzeuge mit Geschwindigkeiten bis zu 400 Km/h geflogen werden. Trotz aller Individualität finden sich allerdings immer noch einzelne Modellflieger im Verein, um in herkömmlicher Weise gemeinschaftliche Projekte zu bauen. Ein Beispiel hierfür ist der originalgetreue Nachbau von zwei Modellen „Klemm 25“. Beide Flugzeuge wurden nach guter alter Art nur nach einem Bauplan gefertigt.

(Bild: 2009: Willi Stukenberg und Günter Klimenta mit den beiden „Klemm 25d“)

klemm

Um die Aktivitäten im Verein mit allen Mitgliedern in Einklang zu bringen, bedarf es eines Vorstands, der ständig auf die neuen Anforderungen reagiert und alle verschiedenen Interessen berücksichtigt. Ebenso ist es wichtig, dass man im Verein die Familienarbeit nicht vergisst. Der Vereinsvorstand wird alle drei Jahre neu gewählt. Seit der Gründung des FMC Albatros war immer mindestens ein Wewelsburger Modellflieger in diesem Gremium vertreten. Fast alle ehemaligen Gründungsmitglieder sind heute noch im Verein. Da die Wewelsburger Aktiven schon früher vom Geist des Fliegens beseelt waren, und sich dies nicht geändert hat, stehen sie auch heute noch zu „ihrem“ FMC Albatros. Wenn es im Verein etwas zu tun und zu organisieren gibt, dann kann man auf sie zählen. Dies ist die Einstellung, die sich jeder Verein wünscht.

 

Wer sich von diesem Bericht angeregt fühlt, den Club einmal zu besuchen, ist jederzeit herzlich eingeladen. Informationen zum FMC Albatros e.V. 1979 Sintfeld findet man auch im Internet. Der Verein verfügt über eine eigene Internetseite. Die Adresse lautet: www.FMC-ALBATROS.DE
Alle Vereinsaktivitäten und Termine können schnell und einfach nachgelesen werden. Bei größeren Veranstaltungen informiert der Verein über die regionale Presse und Plakate. Auf der Internetseite sind auch jeweils der amtierende Vorstand und die Kontaktadressen zu finden. Die Vorstandsmitglieder freuen sich immer, wenn sie angesprochen werden und zu ihrem Hobby oder zum FMC Albatros e.V. 1979 Sintfeld Auskunft geben können.

(Quelle:  Auszug aus dem Buch: Wewelsburg – Geschichte eines Burgdorfes)